Bierlein brau dich noch besser

Klei­ner Brau­hel­fer 2 – Eine Soft­ware fürs Sud­haus. Teil 2
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Ein Mac im Kornfeld. Rezeptentwicklung digital. Kollege: Katrin von Philipp

Als vor einem Jahr der erste Teil zum beliebten Tool der Kleine Brauhelfer 2 erschien, wähnte man sich in der Hochphase der Entwicklung. Mit bis über 3.500 Downloads pro Versionsschritt kann das Brautool Kleiner Brauhelfer 2 nicht nur eine treue Anhängerschaft für sich reklamieren, es dürfte im deutschsprachigen Raum auch zu den beliebtesten Anwendungen im Hobbybrauerbereich zählen.

Was den KBH, so die beliebte Abkürzung für Schreibfaule, so attraktiv für alle möglichen Brauerkreise macht – von der 27-Liter-Klasse, über Malzrohrsysteme, bis hin zum ssBrewtech-Brauhaus im Hektoliterbereich – ist die ihm eigene Flexibilität.

Sie rührt daher, dass die Entwickler um den Schweizer Robotik-Spezialisten Frédéric Bourgeois, im deutschen Hobbybrauerforum wie auf der Entwicklerplattform Github, so gut wie jeder Spielart des Brauens offen gegenüberstehen.

Mit Version 2.3.2 hat Bourgeois die Entwicklung aus seiner Sicht für abgeschlossen erklärt, was aber nicht heißt, dass die Genesis des Kleinen Brauhelfers damit endet. Vielmehr vollzieht sich seit Winter 2021/22 eine ähnliche Entwicklung, wie seinerzeit beim Übergang von Gremmels Version 1 auf die aktuelle Version: Eine neue Mannschaft hat sich eingeklinkt, bereit zu übernehmen.

Die Entwicklung auf mehr Schultern zu verteilen, macht den Kleinen Brauhelfer schon heute zukunftsstabiler.

1. Aufgewertete Dokumentation – ein Brauprogramm wird erwachsen

Wie genau sich dieser Übergang ausgestalten wird, ist derzeit noch offen. Die auf Github sich formierende neue Mannschaft hat bereits in der Version 2.3.2 ihre Handschrift in Grundzügen aufblitzen lassen: Mehr Dokumentation und eine fokussiertere Konzentration auf wesentliche Brauprozesse werden im Hintergrund stehen. Vornean steht dabei das neue von Psytrap entwickelte Hilfesystem, das vom bisherigen Autorenteam um Rasinari schon die ToolTips zuvor auch fortan inhaltlich ausgestaltet wird.

Die Dokumentation ist entsprechend dem gestiegenen Leistungsumfang der Software in Version 2 für das Team eine Herausforderung. Die Mitarbeit von Anwendern auf der Entwicklungsplattform Github ist ausdrücklich erwünscht.

Selten genutzte Features rücken in Version 2.3.2 dagegen in den Hintergrund, ohne vollkommen aus dem Blick zu geraten. Dies soll im Ergebnis einen aufgeräumteren Eindruck vermitteln. Beliebte Features wie Rohstoffe, Brauübersicht, Gärverlauf und Ausrüstung, die elementar sind, aber – einmal eingestellt – dem aktuellen Sud nur zuarbeiten oder außerhalb des eigentlichen Brauprozesses stehen, sind nun logischer in die zweite Reihe gerückt, sichtbar an einer zweiten Reiterreihe.

Etwas anders verhält es sich mit dem beliebten Spickzettel, die Bewertungen und vor allem die Etiketten. Sie alle wurden ebenfalls in die zuschaltbare Modulgruppe ausgelagert.

All diese und auch andere Tools haben eine spezielle Fangemeinde, deren Funktionalität aber nicht von jedem Anwender goutiert wird, was vor allem in den Eigenarten der verschiedenen Betriebssysteme Windows, macOS und Linux begründet sein mag.

All diese und auch andere Tools haben eine spezielle Fangemeinde, deren Funktionalität aber nicht von jedem Anwender goutiert wird, was vor allem in den Eigenarten der verschiedenen Betriebssysteme Windows, macOS und Linux begründet sein mag.

Gemein ist diesen Funktionsgruppen, dass sie für die Inbetriebnahme des Programms verzichtbar sind. Von daher lag es nahe, sie im Schwebemenü Module ein- und ausschalten zu können. Kritisch kann die unterschiedslose Darstellung im Schwebemenü Module gesehen werden: Eine Trennung zwischen notwendigen und verzichtbaren Modulgruppen gibt es derzeit nicht.

Nicht ausschaltbar weil nötig sind allein die Reiter Sudauswahl, Rezept, Braudaten und Abfülldaten.

Eine Besonderheit stellt der Reiter Ausrüstung dar; das Programm warnt den Anwender vor Fehlberechnungen, wenn dieses ausgeschaltet wird. Man kann nur raten, diese Warnung ernst zu nehmen.

Nahe bei dieser Notwendigkeit sind auch die Module Rohstoffe wegen der Angaben zur Ausbeute und Gärdaten wegen der Auswirkung auf den Endvergärungsgrad im Reiter Abfülldaten anzusiedeln.

Die anderen Module können bedenkenlos an- und ausgeschaltet werden; sie greifen nicht unmittelbar in die Berechnung des Brauprozesses ein. Im Abschnitt 3. Gutes Bier, sehr gutes Bier – Ausrüstung werden die Abhängigkeiten der Module am Beispiel des Moduls Ausrüstung eingehender diskutiert.

Hintergrund für diese dennoch vorsichtigen Aufräumaktionen ist der dem Programm inne liegende Konflikt, alle möglichen Brauverfahren und -vorlieben bei gleichzeitiger Übersichtlichkeit abzudecken. Ziel ist selbstredend Lernhürden für Einsteiger abzusenken.

Eine aufgeräumte Programmoberfläche ist zum Zeitpunkt aber – soviel sei zugegeben – an einigen Stellen noch nicht optimal gelöst.

2. Werkstattbericht – Einstiegshürde Speiseberechnung

Natürlich kann ein Softwareportrait ein so umfangreiches Programm wie den Kleinen Brauhelfer 2 nicht in all seinen Facetten erschöpfend abhandeln. Wie umfangreich die Diskussionen um Support, Funktionen und Nicht-Funktionen sind, zeigt allein schon der größte Diskussionsfaden im Forum Hobbybrauer.de; dort sind annähernd 3.000 Beiträge enthalten.

Wenn es wie hier in Teil 2 um fortgeschrittene Techniken mit dem Kleinen Brauhelfer geht, sei doch ein kleiner Werkstattbericht vorangestellt, wie er typischer für die Fortentwicklung des Programms nicht sein kann:

Unbestritten führt seit Jahren das Thema Speiseberechnung die Hitliste der Supportanfragen an. Dieses Thema ist hervorragend geeignet, um den Zielkonflikt zwischen Partialinteressen aufzuzeigen; es ist beispielhaft, dass Vereinfachung oft neue Probleme generiert – „Problem gelöst, Patient tot“ könnte man meinen.

Einst stand die Speiseberechnung gleichberechtigt neben der Spundung und anderen Methoden der Karbonisierung im Reiter Abfülldaten. Arbeiten mit Speise ist bei Anfängern beliebt, verliert aber mit zunehmender Erfahrung an Bedeutung. Zu prominent bemängelten daher viele Nutzer.

Hintergrund der Änderung war: Mit immer neuen Funktionen wurde der Reiter Abfülldaten zunehmend unübersichtlich. Es galt aufzuräumen und die Speiseberechnung als wenig genutztes Feature sollte dabei über die Klinge springen. Als Kompromiss wurde der Prozess Speiseberechnung in ein eigenes ausgelagertes Modul verschoben, der nur bei Bedarf aktiviert werden kann, aber ansonsten inaktiv ist.

Nicht bedacht wurde, dass diese Auslagerung neue Probleme schuf, denn dummerweise benötigt das Modul Speiseberechnung eine Grundeinstellung, sie ist auf einen Liter festgelegt. Auch ausgeschaltet wirkt diese Einstellung fort! Und genau dieser eine Liter fehlt vielen Einsteigern und manchen Anwendern, die Rezepte importieren, nach einem Brautag. Der Vorwurf lautet dann mit schnöder Regelmäßigkeit: „Der KBH rechnet falsch.“

Schon auffallend inflationär ist, dass diese beiden Anwendergruppen – KBH-Einsteiger und Speiseliebhaber – über diesen Punkt stolpern: Niemand kann sich auf Anhieb erklären, wo der fehlende Liter Ausschlagmenge abgeblieben ist. Viel zu selten denkt jemand daran, dass dies an einem deaktivierten Modul liegt – und ehrlich gesagt, den Programmautoren geht es nicht anders. Einzige Ausnahme ist wohl der Hauptprogrammierer selbst, der den KBH nun wirklich aus dem Effeff kennt.

Dem ist aber so: Standardmäßig reserviert der Kleine Brauhelfer einen Liter Speise für die Karbonisierung. Wer nicht mit Speise arbeitet, muss daher das Modul Speiseberechnung aktivieren, den Wert alsdann auf null setzen, dann das Modul wieder deaktivieren. Jetzt erscheint die korrekte Austoßmenge im Reiter Abfülldaten. Aus dem Auge aus dem Sinn.

3. Gutes Bier, sehr gutes Bier – Ausrüstung

Der KBH 2 ist ein voreinstellungsintensives Programm. Viele Einsteiger in die Anwendung importieren oder übertragen anfangs ihre Rezepte und wundern sich, dass die Software Abweichungen berechnet, die es in der Rezeptvorlage so nicht gibt.

Bekanntes Standardbeispiel: Das Rezept wurde mit einer SHA von 70% kalkuliert, der KBH aber rechnet mit seinen grundeingestellten 60% oder einem kalkulierten Mittelwert. Übliches Szenario: die Schüttung im KBH ist größer oder das Programm markiert das Rezept fehlerhaft rot. Verantwortlich für diese Irritationen ist ein im Hintergrund gebildeter Mittelwert, der schon mit dem ersten Rezept greift.

Meist handelt es sich bei derartigen Abweichungen um die Schüttung, den Haupt- und Nachguss oder um den Ausstoß, die nicht den ersten Erwartungen entsprechen. Der Grund dafür sind nahezu immer die jeweiligen Eigenheiten der Brauanlage, und dafür ist der Reiter Ausrüstung da. Es lohnt sich, die Zeit zu nehmen, die Einstellungen hier gewissenhaft vorzunehmen.

Nicht nur, dass dieser Reiter alle, aber auch wirklich alle ungebrauten Rezepte global beeinflusst und vor mancher bösen Überraschung am Brautag wie beispielsweise einem überlaufendem Maischekessel schützt, der Reiter Ausrüstung ist auch das wichtigste Tool, wenn es um die Reproduzierbarkeit eines Rezeptes geht. Der Kleine Brauhelfer 2 spielt mit diesem Reiter seine ganze Stärke aus, hierin ist oftmals der Unterschied begründet, der da frei nach Shakespeare heißt: Gutes Bier oder sehr gutes Bier, das ist hier die Frage.

Da Braukessel zylindrisch sind, ergibt sich die Füllmenge für den Maische- und Sudkessel einfach aus Durchmesser und Höhe (vgl. Bild 4, Abschnitte 2. und 3.). Der KBH 2 ist dabei so intelligent die Ausdehnung von kochendem Wasser zu berücksichtigen, wichtig bei den Einstellungen des Sudkessels und mithin ein Grund, warum Maische- und Sudkessel getrennt erfasst werden, auch wenn es sich bei der Brauanlage um die Einkocherklasse handelt.

Auch wenn es sich um eine zu vernachlässigende Selbstverständlichkeit handelt, die der Erwähnung nicht wert ist: die Berechnungen des Kleinen Brauhelfers 2 zum Rezept sind Vorhersagen zum Brautag. Viel Verwirrung entsteht bei dem Programm oft, dass exakt an diesem Punkt gedanklich keine Trennung zwischen Rezept und dem eigentlichen Brautag gemacht wird. Dieser Brautag wird allein in den Reitern Braudaten, Abfülldaten und gegebenenfalls Gärdaten abgebildet.

Natürlich ist es einem jeden Brauer oberstes Ziel, dass sein Rezept am Brautag zu 100 Prozent im Reiter Braudaten abgebildet wird. Dass man diesem Optimum nahekommt, dafür sind die Kernwerte der Anlage (vgl. Bild 4, Abschnitt 4.) und die Feinjustierungen letzter Hand (vgl. Bild 4, Abschnitt 5) da.

Voreingestellte Kernwerte sind 60% Sudhausausbeute und 2,0 l/h Verdampfungsrate. Diese entspricht den durchschnittlichen Werten der Einkocherklasse. Wer sich hier anfangs unsicher ist, belässt es erst einmal bei diesen Werten. Nach gut fünf Suden wird sich ein einheitliches Bild der Brauanlage herausschälen. Denn dieses ist eine der Stärken des Reiters Ausrüstung: die Durchschnittsberechnung.

Der Schieberegler berechnet anhand der gewählten Sudanzahl just in time den Durchschnitt der Sudhausausbeute und der Verdampfungsrate.

Zum Zeitpunkt ist dies aber nicht mehr als ein Vorschlag und wirkt sich noch nicht auf die Rezepte selbst aus. Erst mit einem Klick auf die Pfeilbuttons (vgl. Bild 5, Abschnitt 4a.) werden die Werte übernommen und zwingend auf alle Rezepte angewendet.

Zu beachten ist, dass es mit dem Schieberegler in Abhängigkeit von der Zahl der Sude und der Leistungsfähigkeit des Rechners zu Verzögerungen im Programm kommen kann; es kann auch sein, dass für kurze Zeit das Programm nicht reagiert. Mit jeder Interaktion wird jedes einzelne Rezept neu berechnet, entsprechend rechenintensiv ist diese Funktion. Der KBH kann bis zu 999 Sude mit einer Maus- oder Wischbewegung berücksichtigen.

Neu in Version 2.2.3 sind deutlich aufgebohrte Funktionen, um die Verdampfungsrate zu ermitteln. Sie kann jetzt deutlich exakter anhand Temperatur Kochbeginn, Kochende und Kochdauer ermittelt werden. Dazu wurde ein neues schwebendes Menü entwickelt. Es verbirgt sich hinter dem gepunkteten, etwas unscheinbaren Button links neben dem Feld für die Verdampfungsrate l/h.

Entgegen dem früheren prozentualen Wert der Verdampfungsrate ist nun der Wert Liter pro Stunde als Maß für die Verdampfung ausschlaggebend. Allein dieser Wert wird im Reiter Rezept nunmehr verwendet. Der frühere prozentuale Wert Verdampfungsrate heißt nunmehr richtig Verdampfungsziffer. Diese Feinheiten gehen auf eine intensive Diskussion auf hobbrauer.de zurück, die der Anwender JackFrost maßgeblich klargestellt hat: Die Verdampfung hängt nicht von der Sudmenge, sondern fast nur von der eingebrachten Leistung ab. 2 kW verdampfen eine Menge x, unabhängig davon, ob in der Pfanne 18 oder 35 Liter sprudeln.

JackFrost: „Verdampfungsziffer und Verdampfungszahl kann man nicht direkt vergleichen, da bei ersterem die Sudgröße eine Rolle spielt.“

Wiederholt: Entscheidend ist nunmehr die Verdampfungsrate in l/h. Dieser Wert wird in allen Rezepten angewendet. Die Verdampfungsziffer wurde auf Wunsch einiger Anwender bei belassen, die sich daran gewöhnt haben.

Die Angabe der Kochdauer ist insofern sinnvoll, als die Verdampfungsrate mit zunehmender Kochdauer abnimmt. Voreingestellt sind 70 min. Historische Rezepte sehen aber schon gerne120 bis 240 min; bei dieser Kochdauer betrüge die Verdampfungsrate nur noch 0,6 l/h statt der 2,1 l/h bei 70 min.

Dies leitet zu einer Diskussion über, die sich jeder experimentierfreudige Brauer, der nicht immer das gleiche Märzen macht, stellen wird: Grundsätzlich sind die Mittelwerte im Reiter Ausrüstung eine sinnvolle Angelegenheit. Doch Exoten wie ein historisches Russian Imperial Stout können den Mittelwert und damit alle Nachfolgerezepte, die wieder mehr klassisch sind, verfälschen.

In diesem Fall empfiehlt es sich a) die berechnete Verdampfungsrate nur für dieses Rezept zu übernehmen, indem auf den Übertrag durch den berechneten Mittelwert der Sude verzichtet wird, b) das Feld „Sud für die Durchschnittsberechnung ignorieren“ im Reiter Braudaten anzuhaken und c) nach dem Brauen kontrollieren, ob wieder die ursprüngliche mittlere Verdampfungsrate eingestellt ist.

Sobald ein Rezept im Reiter Braudaten markiert wurde, bleibt es von allen künftigen Änderungen der Rezeptberechnung verschont.

Weitere Korrekturoptionen bietet der Abschnitt Sonstiges (Bild 4, Abschnitt 5). Es sind seltener genutzte Optionen, die mit Bedacht eingesetzt werden sollten.

So kann die Korrektur von Nachguss- und Sollmenge Sinn machen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, der Ursache auf den Grund zu gehen. Zeitmangel wird hier der häufigste Grund sein, ist Brauen doch eine Angelegenheit mit sehr sehr vielen Parametern. Im besten Fall ist es erstrebenswert, wenn die Werte hier bei null eingestellt bleiben. Dann ist davon auszugehen, dass man die Anlage aus dem Effeff kennt und keine großen Unbekannten im Brauprozess lauern.

Das Gleiche gilt auch für die Korrektur des Farbwertes. Malz ist ein Naturprodukt. Farbabweichungen sind trotz der modernster Malzverfahren natürlich. Gute Braushops bieten einen Mittelwert an. Es empfiehlt sich diesen Wert in die Rohstoffliste einzutragen.

Dennoch kann es regelmäßig zu Abweichungen im Farbbild kommen. Die Gründe sind neben dem Spitzenreiter Oxidation und Licht wahrhaft vielfältig, dass man nicht immer gewillt ist, sich einen Kopf über die Ursache zu machen. Es empfiehlt sich die Einschätzung anhand heller Biere vorzunehmen.

Sollte hier ein Korrekturwert von vier und größer nötig sein, empfiehlt es sich bei allem Zeitdruck trotzdem seinen Brauprozess auf den Prüfstand zu stellen.

Unter den Betriebskosten fasst man schließlich alle regelmäßigen, sudunabhängigen Posten zusammen, die beim Brautag entstehen. Dazu gehören natürlich in Zeiten des Ukrainekrieges die explodierenden Energiekosten, die so manchen Langebrauer doch zum Umdenken bewegen dürften wie auch Abschreibungen für die Ausstattung. Der nächste Braukessel steht auf dem Geburtstagswunschzettel, Messgeräte, das Labor für die Hefezucht, ein Maischepaddel aus Edelstahl sind schließlich auch eine Nummer.

Die nicht unmittelbaren Gerätschaften jenseits des Brauprozesses können übrigens ganz unten im Reiter Ausrüstung erfasst werden. Wer dann noch mit zwei oder mehr Brauanlagen arbeitet, kann ganz oben mit Klick auf den Plus-Button eine weitere Brauanlage hinzufügen. Die Brauanlage wird dann in der Liste oben mit einem Klick, samt ihrer Vorgaben, ausgewählt. In der Anordnung ist das nunmehr deutlich übersichtlicher und anwendungsfreundlicher im Vergleich zu früheren Versionen.

4. Versteckte Killerfunktionen – Sudauswahl

Sobald man früher im KBH Rezepte plante, stellte sich immer parallel dazu die Frage, ob sich die Brauidee mit dem Rohstofflager deckt. Bei einem oder zwei Rezepten kann so etwas leicht zu eruieren sein. Sobald es aber um fünf oder mehr Rezepte mit unterschiedlichsten Zutaten geht, wird es kompliziert. Und vor allem unübersichtlich.

Der Reiter Sudauswahl vereinfacht das nun erheblich.

Früher musste man dazu immer zwischen dem Reiter Rohstoffe und dem Rezept hin und herspringen, sich die einzelnen Zutaten händisch oder in einer eigenen Tabelle notieren. Dann das nächste Rezept und so fort. Ein mühseliges und vor allem fehleranfälliges Geschäft.

Ein notwendiges Geschäft, um den CO2-Abdruck durch zu viele Lieferungen möglichst klein zu halten. Nebenbei: Manche Braushops bieten inzwischen auch einen CO2-neutralen Versand an. Nötig, da selten ein Braushop alle Zutaten auf Lager hat.

Weil Stubby Hobbs das Berechnen der nötigen Mengen oft zu umständlich war, hat er früher oft einfach nur aus Gefühl bestellt. Der KBH war hier in der Praxis einfach nicht anwenderfreundlich genug. Das ist passé und ist mithin der Grund, warum die Rohstofftabelle nunmehr als schwebendes Fenster organisiert ist. Alles steht nebeneinander. Hin und her klicken ist nicht mehr nötig.

Gerade bei der erweiterten Rohstofftabelle und hier insbesondere bei den mit zusätzlichen Funktionen versehenen Zusätzen, ist dies extrem hilfreich, sind andere Ausbeutefaktoren als 100% doch schwer zu memorieren.

Hier ist die Rezeptentwicklung einen Schritt vereinfacht worden. So viel sei verraten: An einer Drag-and-Drop-Funktion wird derzeit gearbeitet. Doch es geht noch einfacher:

Wenn man mit Shift die einzelnen Rezepte bündelt, werden rechts alle ihre Zutaten übersichtlich nach Malz, Hopfen, Hefe und Zusätzen aufgeschlüsselt zusammengefasst. Gerade wenn es um den Lieblingshopfen oder das Malz der Wahl geht, ist das äußerst hilfreich und verhütet manches Worst-Case-Szenario am Brautag. Unzureichende Vorräte im Rohstofflager werden mit einem roten Kreuz markiert.

Ein Klick auf den PDF-Button generiert eine Rohstoffliste, die sich bequem in den Warenkorb des Braushops der Wahl umsetzen lässt.

5. Kategorienverwirrung Sudhausausbeute – Braudaten

Regelmäßige Verwirrung stiften die Angaben zur Sudhausbeute im Reiter Braudaten. Abgesehen davon, dass die Begrifflichkeiten um die Effizienz der Brauanlage und Gärprozesses regelmäßig Verwirrung in der Brau-Community stiften (und von Profis und Hobbyisten unterschiedlich angewendet und begründet werden), legt der Kleine Brauhelfer 2 mit den Angaben Sudhausausbeute und effektive Sudhausausbeute noch eine Schippe drauf. Die meisten Anwender – inklusive des Autors –, fragen sich selbst bei regelmäßiger Nutzung des KBH, „Was ist was?“

Dabei ist es recht einfach – und doch muss hier der Hauptprogrammierer Frédéric Bourgeois ran:

„Der Begriff Sudhausausbeute beschreibt die Effektivität der Brauanlage, der Begriff effektive Sudhausausbeute die Effizienz des aktuellen Brauprozesses.“

Ausführlicher legt Frédéric Bourgeois die Trennung der beiden SHA-Kategorien dar und erklärt etwaige Nachfragen: Die pure Sudhausausbeute ist die Stammwürze abzüglich Anteile aus Zusätzen unmittelbar nach Kochende und vor dem Hopfenseihen. Die Zahl entspricht also der Ausbeute im aktuellen Maischeprozess für den Sud des Brautages.

Wird mit High Gravity gebraut, liegt dieser Wert über der effektiven Sudhausausbeute, da die zusätzliche Wasserzugabe noch nicht stattgefunden hat.

Die effektive Sudhausausbeute wird schließlich aus der Stammwürze abzüglich Anteile aus den Zusätzen und der Gesamtwürzemenge beim Anstellen mit Hefe berechnet. Dies schließt eine etwaige Verdünnung mit ein.

Die effektive Sudhausausbeute wird für die Durchschnittsberechnung der Anlage herangezogen und dient somit als Grundlage für die Schüttungsberechnung. Sie ist also der Wert, der unmittelbar in die im Abschnitt 3 Gutes Bier, sehr gutes Bier – Ausrüstung besprochene programmweite Grundeinstellung im Reiter Ausrüstung einfließt und damit jedes künftige Rezept beeinflusst.

6. Vision 3.x – Conclusio

Auch wenn der Kleine Brauhelfer 2 als ausgereift gelten darf, so wird es in den kommenden Unterversionen doch einige Verbesserungen vor allem im Hinblick auf die Nutzerfreundlichkeit und Übersichtlichkeit geben. Und wer weiß, auch wenn das Programm schon heute einer eierlegenden Wollmilchsau gleichkommt – ein Bild, das ein stammelnder bajuwarischer Ministerpräsident gerne bemühte, wenn es nicht um den Transrapid und den Münchener Bahnhof ging – es gibt noch etliche Themen, vor allem im Bereich Zusätze und Design, die noch nicht abgedeckt sind. Aber das wären wohl solche für eine Version 3.

Editor’s Note: Teil 1 führt in die grundlegende Bedienung des Kleinen Brauhelfers 2 ein.