Brau dich besser
KleiÂner BrauÂhelÂfer 2 â Eine SoftÂware fĂŒrs SudÂhaus. Teil 2

Aâls vor einem Jahr der erste Teil zum beliebten Tool der Kleine Brauhelfer 2 erschien, wĂ€hnte man sich in der Hochphase der Entwicklung. Mit bis ĂŒber 3.500 Downloads pro Versionsschritt kann das Brautool Kleiner Brauhelfer 2 nicht nur eine treue AnhĂ€ngerschaft fĂŒr sich reklamieren, es dĂŒrfte im deutschsprachigen Raum auch zu den beliebtesten Anwendungen im Hobbybrauerbereich zĂ€hlen.
Was den KBH, so die beliebte AbkĂŒrzung fĂŒr Schreibfaule, so attraktiv fĂŒr alle möglichen Brauerkreise macht â von der 27-Liter-Klasse, ĂŒber Malzrohrsysteme, bis hin zum ssBrewtech-Brauhaus im Hektoliterbereich â ist die ihm eigene FlexibilitĂ€t.
Sie rĂŒhrt daher, dass die Entwickler um den Schweizer Robotik-Spezialisten FrĂ©dĂ©ric Bourgeois, im deutschen Hobbybrauerforum wie auf der Entwicklerplattform Github, so gut wie jeder Spielart des Brauens offen gegenĂŒberstehen. Diese Offenheit gegenĂŒber allen möglichen Brauideen hebt das Programm von Artgenossen ab.
Mit Version 2.3.2 hat Bourgeois die Entwicklung aus seiner Sicht fĂŒr abgeschlossen erklĂ€rt, was aber nicht heiĂt, dass die Genesis des Kleinen Brauhelfers damit endet. Kleine Ănderungen, Verbesserungen und Fehlerbehebungen werden gemacht. Vielmehr vollzieht sich seit Winter 2021/22 eine Ă€hnliche Entwicklung, wie seinerzeit beim Ăbergang von Gremmels Version 1 auf die aktuelle Version: Neue Köpfe setzen neue Ideen und Features.
Die Entwicklung auf mehr Schultern zu verteilen, macht den Kleinen Brauhelfer schon heute zukunftsstabiler. Als direkte Alternative und damit Messlatte des Kleinen Brauhelfers 2 darf unterdessen die App Brewfather aus England gelten. Sie ist optisch moderner und ansprechender, bietet einen gröĂeren Fundus vorgefertigter Datenbanken und ist ĂŒberdies vorbildlich lokalisiert, allerdings sind diese Features mit einem kostenpflichtigen Abonnement verbunden, ein Preismodell, das viele Nutzer traditionell abschreckt. Zudem funktioniert die Brewfather-Software nur online. Das dĂŒrfte derzeit dann auch der gröĂte Unterschied zum Kleinen Brauhelfer sein, der auf die Nutzung in Braukellern ohne jede Netzinfrastruktur ausgelegt ist.
1. Aufgewertete Dokumentation â adoleszentes Brauprogramm
Wie genau sich dieser Ăbergang ausgestalten wird, ist derzeit noch offen. Die auf Github sich formierende neue Mannschaft hat bereits in der Version 2.3.2 ihre Handschrift in GrundzĂŒgen aufblitzen lassen: Mehr Dokumentation und eine fokussiertere Konzentration auf wesentliche Brauprozesse werden im Hintergrund stehen. Vornean steht dabei das neue von Psytrap entwickelte Hilfesystem, das vom bisherigen Autorenteam um Rasinari schon die ToolTips zuvor auch fortan inhaltlich ausgestaltet wird.
Die Dokumentation ist entsprechend dem gestiegenen Leistungsumfang der Software in Version 2 fĂŒr das Team eine Herausforderung. Die Mitarbeit von Anwendern auf der Entwicklungsplattform Github ist ausdrĂŒcklich erwĂŒnscht.

Selten genutzte Features rĂŒcken in Version 2.3.2 dagegen in den Hintergrund, ohne vollkommen aus dem Blick zu geraten. Dies soll im Ergebnis einen aufgerĂ€umteren Eindruck vermitteln. Beliebte Features wie Rohstoffe, BrauĂŒbersicht, GĂ€rverlauf und AusrĂŒstung, die elementar sind, aber â einmal eingestellt â dem aktuellen Sud nur zuarbeiten oder auĂerhalb des eigentlichen Brauprozesses stehen, sind nun logischer in die zweite Reihe gerĂŒckt, sichtbar an einer zweiten Reiterreihe.
Etwas anders verhÀlt es sich mit dem beliebten Spickzettel, die Bewertungen und vor allem die Etiketten. Sie alle wurden ebenfalls in die zuschaltbare Modulgruppe ausgelagert.
All diese und auch andere Tools haben eine spezielle Fangemeinde, deren FunktionalitĂ€t aber nicht von jedem Anwender goutiert wird, was vor allem in den Eigenarten der verschiedenen Betriebssysteme Windows, macOS und Linux begrĂŒndet sein mag.
All diese und auch andere Tools haben eine spezielle Fangemeinde, deren FunktionalitĂ€t aber nicht von jedem Anwender goutiert wird, was vor allem in den Eigenarten der verschiedenen Betriebssysteme Windows, macOS und Linux begrĂŒndet sein mag.
Gemein ist diesen Funktionsgruppen, dass sie fĂŒr die Inbetriebnahme des Programms verzichtbar sind. Von daher lag es nahe, sie im SchwebemenĂŒ Module ein- und ausschalten zu können. Kritisch kann die unterschiedslose Darstellung im SchwebemenĂŒ Module gesehen werden: Eine Trennung zwischen notwendigen und verzichtbaren Modulgruppen gibt es derzeit nicht.
Nicht ausschaltbar weil nötig sind allein die Reiter Sudauswahl, Rezept, Braudaten und AbfĂŒlldaten.

Eine Besonderheit stellt der Reiter AusrĂŒstung dar; das Programm warnt den Anwender vor Fehlberechnungen, wenn dieses ausgeschaltet wird. Man kann nur raten, diese Warnung ernst zu nehmen.
Nahe bei dieser Notwendigkeit sind auch die Module Rohstoffe wegen der Angaben zur Ausbeute und GĂ€rdaten wegen der Auswirkung auf den EndvergĂ€rungsgrad im Reiter AbfĂŒlldaten anzusiedeln.
Die anderen Module können bedenkenlos an- und ausgeschaltet werden; sie greifen nicht unmittelbar in die Berechnung des Brauprozesses ein. Im Abschnitt 3. Gutes Bier, sehr gutes Bier â AusrĂŒstung werden die AbhĂ€ngigkeiten der Module am Beispiel des Moduls AusrĂŒstung eingehender diskutiert.
Hintergrund fĂŒr diese dennoch vorsichtigen AufrĂ€umaktionen ist der dem Programm inne liegende Konflikt, alle möglichen Brauverfahren und âvorlieben bei gleichzeitiger Ăbersichtlichkeit abzudecken. Ziel ist selbstredend LernhĂŒrden fĂŒr Einsteiger abzusenken.
Eine aufgerĂ€umte ProgrammoberflĂ€che ist zum Zeitpunkt aber â soviel sei zugegeben â an einigen Stellen noch nicht optimal gelöst.
2. Werkstattbericht â EinstiegshĂŒrde Speiseberechnung
NatĂŒrlich kann ein Softwareportrait ein so umfangreiches Programm wie den Kleinen Brauhelfer 2 nicht in all seinen Facetten erschöpfend abhandeln. Wie umfangreich die Diskussionen um Support, Funktionen und Nicht-Funktionen sind, zeigt allein schon der gröĂte Diskussionsfaden im Forum Hobbybrauer.de; dort sind annĂ€hernd 3.000 BeitrĂ€ge enthalten.
Wenn es wie hier in Teil 2 um fortgeschrittene Techniken mit dem Kleinen Brauhelfer geht, sei doch ein kleiner Werkstattbericht vorangestellt, wie er typischer fĂŒr die Fortentwicklung des Programms nicht sein kann:
Unbestritten fĂŒhrt seit Jahren das Thema Speiseberechnung die Hitliste der Supportanfragen an. Dieses Thema ist hervorragend geeignet, um den Zielkonflikt zwischen Partialinteressen aufzuzeigen; es ist beispielhaft, dass Vereinfachung oft neue Probleme generiert â âProblem gelöst, Patient totâ könnte man meinen.

Einst stand die Speiseberechnung gleichberechtigt neben der Spundung und anderen Methoden der Karbonisierung im Reiter AbfĂŒlldaten. Arbeiten mit Speise ist bei AnfĂ€ngern beliebt, verliert aber mit zunehmender Erfahrung an Bedeutung. Zu prominent bemĂ€ngelten daher viele Nutzer.
Hintergrund der Ănderung war: Mit immer neuen Funktionen wurde der Reiter AbfĂŒlldaten zunehmend unĂŒbersichtlich. Es galt aufzurĂ€umen und die Speiseberechnung als wenig genutztes Feature sollte dabei ĂŒber die Klinge springen. Als Kompromiss wurde der Prozess Speiseberechnung in ein eigenes ausgelagertes Modul verschoben, der nur bei Bedarf aktiviert werden kann, aber ansonsten inaktiv ist.
Nicht bedacht wurde, dass diese Auslagerung neue Probleme schuf, denn dummerweise benötigt das Modul Speiseberechnung eine Grundeinstellung, sie ist auf einen Liter festgelegt. Auch ausgeschaltet wirkt diese Einstellung fort! Und genau dieser eine Liter fehlt vielen Einsteigern und manchen Anwendern, die Rezepte importieren, nach einem Brautag. Der Vorwurf lautet dann mit schnöder RegelmĂ€Ăigkeit: âDer KBH rechnet falsch.â
Schon auffallend inflationĂ€r ist, dass diese beiden Anwendergruppen â KBH-Einsteiger und Speiseliebhaber â ĂŒber diesen Punkt stolpern: Niemand kann sich auf Anhieb erklĂ€ren, wo der fehlende Liter Ausschlagmenge abgeblieben ist. Viel zu selten denkt jemand daran, dass dies an einem deaktivierten Modul liegt â und ehrlich gesagt, den Programmautoren geht es nicht anders. Einzige Ausnahme ist wohl der Hauptprogrammierer selbst, der den KBH nun wirklich aus dem Effeff kennt.
Dem ist aber so: StandardmĂ€Ăig reserviert der Kleine Brauhelfer einen Liter Speise fĂŒr die Karbonisierung. Wer nicht mit Speise arbeitet, muss daher das Modul Speiseberechnung aktivieren, den Wert alsdann auf null setzen, dann das Modul wieder deaktivieren. Jetzt erscheint die korrekte AustoĂmenge im Reiter AbfĂŒlldaten. Aus dem Auge aus dem Sinn.
3. Gutes Bier, sehr gutes Bier â AusrĂŒstung
Der KBH 2 ist ein voreinstellungsintensives Programm. Viele Einsteiger in die Anwendung importieren oder ĂŒbertragen anfangs ihre Rezepte und wundern sich, dass die Software Abweichungen berechnet, die es in der Rezeptvorlage so nicht gibt.
Bekanntes Standardbeispiel: Das Rezept wurde mit einer SHA von 70% kalkuliert, der KBH aber rechnet mit seinen grundeingestellten 60% oder einem kalkulierten Mittelwert. Ăbliches Szenario: die SchĂŒttung im KBH ist gröĂer oder das Programm markiert das Rezept fehlerhaft rot. Verantwortlich fĂŒr diese Irritationen ist ein im Hintergrund gebildeter Mittelwert, der schon mit dem ersten Rezept greift.
Meist handelt es sich bei derartigen Abweichungen um die SchĂŒttung, den Haupt- und Nachguss oder um den AusstoĂ, die nicht den ersten Erwartungen entsprechen. Der Grund dafĂŒr sind nahezu immer die jeweiligen Eigenheiten der Brauanlage, und dafĂŒr ist der Reiter AusrĂŒstung da. Es lohnt sich, die Zeit zu nehmen, die Einstellungen hier gewissenhaft vorzunehmen.
Nicht nur, dass dieser Reiter alle, aber auch wirklich alle ungebrauten Rezepte global beeinflusst und vor mancher bösen Ăberraschung am Brautag wie beispielsweise einem ĂŒberlaufendem Maischekessel schĂŒtzt, der Reiter AusrĂŒstung ist auch das wichtigste Tool, wenn es um die Reproduzierbarkeit eines Rezeptes geht. Der Kleine Brauhelfer 2 spielt mit diesem Reiter seine ganze StĂ€rke aus, hierin ist oftmals der Unterschied begrĂŒndet, der da frei nach Shakespeare heiĂt: Gutes Bier oder sehr gutes Bier, das ist hier die Frage.
Da Braukessel zylindrisch sind, ergibt sich die FĂŒllmenge fĂŒr den Maische- und Sudkessel einfach aus Durchmesser und Höhe (vgl. Bild 4, Abschnitte 2. und 3.). Der KBH 2 ist dabei so intelligent die Ausdehnung von kochendem Wasser zu berĂŒcksichtigen, wichtig bei den Einstellungen des Sudkessels und mithin ein Grund, warum Maische- und Sudkessel getrennt erfasst werden, auch wenn es sich bei der Brauanlage um die Einkocherklasse handelt.

Auch wenn es sich um eine zu vernachlĂ€ssigende SelbstverstĂ€ndlichkeit handelt, die der ErwĂ€hnung nicht wert ist: die Berechnungen des Kleinen Brauhelfers 2 zum Rezept sind Vorhersagen zum Brautag. Viel Verwirrung entsteht bei dem Programm oft, dass exakt an diesem Punkt gedanklich keine Trennung zwischen Rezept und dem eigentlichen Brautag gemacht wird. Dieser Brautag wird allein in den Reitern Braudaten, AbfĂŒlldaten und gegebenenfalls GĂ€rdaten abgebildet.
NatĂŒrlich ist es einem jeden Brauer oberstes Ziel, dass sein Rezept am Brautag zu 100 Prozent im Reiter Braudaten abgebildet wird. Dass man diesem Optimum nahekommt, dafĂŒr sind die Kernwerte der Anlage (vgl. Bild 4, Abschnitt 4.) und die Feinjustierungen letzter Hand (vgl. Bild 4, Abschnitt 5) da.
Voreingestellte Kernwerte sind 60% Sudhausausbeute und 2,0 l/h Verdampfungsrate. Diese entspricht den durchschnittlichen Werten der Einkocherklasse. Wer sich hier anfangs unsicher ist, belĂ€sst es erst einmal bei diesen Werten. Nach gut fĂŒnf Suden wird sich ein einheitliches Bild der Brauanlage herausschĂ€len. Denn dieses ist eine der StĂ€rken des Reiters AusrĂŒstung: die Durchschnittsberechnung.
Der Schieberegler berechnet anhand der gewÀhlten Sudanzahl just in time den Durchschnitt der Sudhausausbeute und der Verdampfungsrate.
Zum Zeitpunkt ist dies aber nicht mehr als ein Vorschlag und wirkt sich noch nicht auf die Rezepte selbst aus. Erst mit einem Klick auf die Pfeilbuttons (vgl. Bild 5, Abschnitt 4a.) werden die Werte ĂŒbernommen und zwingend auf alle Rezepte angewendet.
Zu beachten ist, dass es mit dem Schieberegler in AbhĂ€ngigkeit von der Zahl der Sude und der LeistungsfĂ€higkeit des Rechners zu Verzögerungen im Programm kommen kann; es kann auch sein, dass fĂŒr kurze Zeit das Programm nicht reagiert. Mit jeder Interaktion wird jedes einzelne Rezept neu berechnet, entsprechend rechenintensiv ist diese Funktion. Der KBH kann bis zu 999 Sude mit einer Maus- oder Wischbewegung berĂŒcksichtigen.

Neu in Version 2.2.3 sind deutlich aufgebohrte Funktionen, um die Verdampfungsrate zu ermitteln. Sie kann jetzt deutlich exakter anhand Temperatur Kochbeginn, Kochende und Kochdauer ermittelt werden. Dazu wurde ein neues schwebendes MenĂŒ entwickelt. Es verbirgt sich hinter dem gepunkteten, etwas unscheinbaren Button links neben dem Feld fĂŒr die Verdampfungsrate l/h.
Entgegen dem frĂŒheren prozentualen Wert der Verdampfungsrate ist nun der Wert Liter pro Stunde als MaĂ fĂŒr die Verdampfung ausschlaggebend. Allein dieser Wert wird im Reiter Rezept nunmehr verwendet. Der frĂŒhere prozentuale Wert Verdampfungsrate heiĂt nunmehr richtig Verdampfungsziffer. Diese Feinheiten gehen auf eine intensive Diskussion auf hobbrauer.de zurĂŒck, die der Anwender JackFrost maĂgeblich klargestellt hat: Die Verdampfung hĂ€ngt nicht von der Sudmenge, sondern fast nur von der eingebrachten Leistung ab. 2 kW verdampfen eine Menge x, unabhĂ€ngig davon, ob in der Pfanne 18 oder 35 Liter sprudeln.
JackFrost: âVerdampfungsziffer und Verdampfungszahl kann man nicht direkt vergleichen, da bei ersterem die SudgröĂe eine Rolle spielt.â
Wiederholt: Entscheidend ist nunmehr die Verdampfungsrate in l/h. Dieser Wert wird in allen Rezepten angewendet. Die Verdampfungsziffer wurde auf Wunsch einiger Anwender bei belassen, die sich daran gewöhnt haben.

Die Angabe der Kochdauer ist insofern sinnvoll, als die Verdampfungsrate mit zunehmender Kochdauer abnimmt. Voreingestellt sind 70 min. Historische Rezepte sehen aber schon gerne120 bis 240 min; bei dieser Kochdauer betrĂŒge die Verdampfungsrate nur noch 0,6 l/h statt der 2,1 l/h bei 70 min.
Dies leitet zu einer Diskussion ĂŒber, die sich jeder experimentierfreudige Brauer, der nicht immer das gleiche MĂ€rzen macht, stellen wird: GrundsĂ€tzlich sind die Mittelwerte im Reiter AusrĂŒstung eine sinnvolle Angelegenheit. Doch Exoten wie ein historisches Russian Imperial Stout können den Mittelwert und damit alle Nachfolgerezepte, die wieder mehr klassisch sind, verfĂ€lschen.
In diesem Fall empfiehlt es sich a) die berechnete Verdampfungsrate nur fĂŒr dieses Rezept zu ĂŒbernehmen, indem auf den Ăbertrag durch den berechneten Mittelwert der Sude verzichtet wird, b) das Feld âSud fĂŒr die Durchschnittsberechnung ignorierenâ im Reiter Braudaten anzuhaken und c) nach dem Brauen kontrollieren, ob wieder die ursprĂŒngliche mittlere Verdampfungsrate eingestellt ist.
Sobald ein Rezept im Reiter Braudaten markiert wurde, bleibt es von allen kĂŒnftigen Ănderungen der Rezeptberechnung verschont.
Weitere Korrekturoptionen bietet der Abschnitt Sonstiges (Bild 4, Abschnitt 5). Es sind seltener genutzte Optionen, die mit Bedacht eingesetzt werden sollten.
So kann die Korrektur von Nachguss- und Sollmenge Sinn machen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, der Ursache auf den Grund zu gehen. Zeitmangel wird hier der hĂ€ufigste Grund sein, ist Brauen doch eine Angelegenheit mit sehr sehr vielen Parametern. Im besten Fall ist es erstrebenswert, wenn die Werte hier bei null eingestellt bleiben. Dann ist davon auszugehen, dass man die Anlage aus dem Effeff kennt und keine groĂen Unbekannten im Brauprozess lauern.
Das Gleiche gilt auch fĂŒr die Korrektur des Farbwertes. Malz ist ein Naturprodukt. Farbabweichungen sind trotz der modernster Malzverfahren natĂŒrlich. Gute Braushops bieten einen Mittelwert an. Es empfiehlt sich diesen Wert in die Rohstoffliste einzutragen.
Dennoch kann es regelmĂ€Ăig zu Abweichungen im Farbbild kommen. Die GrĂŒnde sind neben dem Spitzenreiter Oxidation und Licht wahrhaft vielfĂ€ltig, dass man nicht immer gewillt ist, sich einen Kopf ĂŒber die Ursache zu machen. Es empfiehlt sich die EinschĂ€tzung anhand heller Biere vorzunehmen.
Sollte hier ein Korrekturwert von vier und gröĂer nötig sein, empfiehlt es sich bei allem Zeitdruck trotzdem seinen Brauprozess auf den PrĂŒfstand zu stellen.
Unter den Betriebskosten fasst man schlieĂlich alle regelmĂ€Ăigen, sudunabhĂ€ngigen Posten zusammen, die beim Brautag entstehen. Dazu gehören natĂŒrlich in Zeiten des Ukrainekrieges die explodierenden Energiekosten, die so manchen Langebrauer doch zum Umdenken bewegen dĂŒrften wie auch Abschreibungen fĂŒr die Ausstattung. Der nĂ€chste Braukessel steht auf dem Geburtstagswunschzettel, MessgerĂ€te, das Labor fĂŒr die Hefezucht, ein Maischepaddel aus Edelstahl sind schlieĂlich auch eine Nummer.
Die nicht unmittelbaren GerĂ€tschaften jenseits des Brauprozesses können ĂŒbrigens ganz unten im Reiter AusrĂŒstung erfasst werden. Wer dann noch mit zwei oder mehr Brauanlagen arbeitet, kann ganz oben mit Klick auf den Plus-Button eine weitere Brauanlage hinzufĂŒgen. Die Brauanlage wird dann in der Liste oben mit einem Klick, samt ihrer Vorgaben, ausgewĂ€hlt. In der Anordnung ist das nunmehr deutlich ĂŒbersichtlicher und anwendungsfreundlicher im Vergleich zu frĂŒheren Versionen.
4. Versteckte Killerfunktion â Sudauswahl
Sobald man frĂŒher im KBH Rezepte plante, stellte sich immer parallel dazu die Frage, ob sich die Brauidee mit dem Rohstofflager deckt. Bei einem oder zwei Rezepten kann so etwas leicht zu eruieren sein. Sobald es aber um fĂŒnf oder mehr Rezepte mit unterschiedlichsten Zutaten geht, wird es kompliziert. Und vor allem unĂŒbersichtlich.
Der Reiter Sudauswahl vereinfacht das nun erheblich.
FrĂŒher musste man dazu immer zwischen dem Reiter Rohstoffe und dem Rezept hin und herspringen, sich die einzelnen Zutaten hĂ€ndisch oder in einer eigenen Tabelle notieren. Dann das nĂ€chste Rezept und so fort. Ein mĂŒhseliges und vor allem fehleranfĂ€lliges GeschĂ€ft.

Ein notwendiges GeschÀft, um den CO2-Abdruck durch zu viele Lieferungen möglichst klein zu halten. Nebenbei: Manche Braushops bieten inzwischen auch einen CO2-neutralen Versand an. Nötig, da selten ein Braushop alle Zutaten auf Lager hat.
Weil Stubby Hobbs das Berechnen der nötigen Mengen oft zu umstĂ€ndlich war, hat er frĂŒher oft einfach nur aus GefĂŒhl bestellt. Der KBH war hier in der Praxis einfach nicht anwenderfreundlich genug. Das ist passĂ© und ist mithin der Grund, warum die Rohstofftabelle nunmehr als schwebendes Fenster organisiert ist. Alles steht nebeneinander. Hin und her klicken ist nicht mehr nötig.
Gerade bei der erweiterten Rohstofftabelle und hier insbesondere bei den mit zusÀtzlichen Funktionen versehenen ZusÀtzen, ist dies extrem hilfreich, sind andere Ausbeutefaktoren als 100% doch schwer zu memorieren.
Hier ist die Rezeptentwicklung einen Schritt vereinfacht worden. So viel sei verraten: An einer Drag-and-Drop-Funktion wird derzeit gearbeitet. Doch es geht noch einfacher:

Wenn man mit Shift die einzelnen Rezepte bĂŒndelt, werden rechts alle ihre Zutaten ĂŒbersichtlich nach Malz, Hopfen, Hefe und ZusĂ€tzen aufgeschlĂŒsselt zusammengefasst. Gerade wenn es um den Lieblingshopfen oder das Malz der Wahl geht, ist das Ă€uĂerst hilfreich und verhĂŒtet manches Worst-Case-Szenario am Brautag. Unzureichende VorrĂ€te im Rohstofflager werden mit einem roten Kreuz markiert.
Ein Klick auf den PDF-Button generiert eine Rohstoffliste, die sich bequem in den Warenkorb des Braushops der Wahl umsetzen lÀsst.
5. Kategorienverwirrung Sudhausausbeute â Braudaten
RegelmĂ€Ăige Verwirrung stiften die Angaben zur Sudhausbeute im Reiter Braudaten. Abgesehen davon, dass die Begrifflichkeiten um die Effizienz der Brauanlage und GĂ€rprozesses regelmĂ€Ăig Verwirrung in der Brau-Community stiften (und von Profis und Hobbyisten unterschiedlich angewendet und begrĂŒndet werden), legt der Kleine Brauhelfer 2 mit den Angaben Sudhausausbeute und effektive Sudhausausbeute noch eine Schippe drauf. Die meisten Anwender â inklusive des Autors â, fragen sich selbst bei regelmĂ€Ăiger Nutzung des KBH, âWas ist was?â
Dabei ist es recht einfach â und doch muss hier der Hauptprogrammierer FrĂ©dĂ©ric Bourgeois ran:
âDer Begriff Sudhausausbeute beschreibt die EffektivitĂ€t der Brauanlage, der Begriff effektive Sudhausausbeute die Effizienz des aktuellen Brauprozesses.â
AusfĂŒhrlicher legt FrĂ©dĂ©ric Bourgeois die Trennung der beiden SHA-Kategorien dar und erklĂ€rt etwaige Nachfragen: Die pure Sudhausausbeute ist die StammwĂŒrze abzĂŒglich Anteile aus ZusĂ€tzen unmittelbar nach Kochende und vor dem Hopfenseihen. Die Zahl entspricht also der Ausbeute im aktuellen Maischeprozess fĂŒr den Sud des Brautages.
Wird mit High Gravity gebraut, liegt dieser Wert ĂŒber der effektiven Sudhausausbeute, da die zusĂ€tzliche Wasserzugabe noch nicht stattgefunden hat.

Die effektive Sudhausausbeute wird schlieĂlich aus der StammwĂŒrze abzĂŒglich Anteile aus den ZusĂ€tzen und der GesamtwĂŒrzemenge beim Anstellen mit Hefe berechnet. Dies schlieĂt eine etwaige VerdĂŒnnung mit ein.
Die effektive Sudhausausbeute wird fĂŒr die Durchschnittsberechnung der Anlage herangezogen und dient somit als Grundlage fĂŒr die SchĂŒttungsberechnung. Sie ist also der Wert, der unmittelbar in die im Abschnitt 3 Gutes Bier, sehr gutes Bier â AusrĂŒstung besprochene programmweite Grundeinstellung im Reiter AusrĂŒstung einflieĂt und damit jedes kĂŒnftige Rezept beeinflusst.
6. Vision 3.x â Conclusio
Auch wenn der Kleine Brauhelfer 2 als ausgereift gelten darf, so wird es in den kommenden Unterversionen doch einige Verbesserungen vor allem im Hinblick auf die Nutzerfreundlichkeit und Ăbersichtlichkeit geben. Und wer weiĂ, auch wenn das Programm schon heute einer eierlegenden Wollmilchsau gleichkommt â ein Bild, das ein stammelnder bajuwarischer MinisterprĂ€sident gerne bemĂŒhte, wenn es nicht um den Transrapid und den MĂŒnchener Bahnhof ging â es gibt noch etliche Themen, vor allem im Bereich ZusĂ€tze und Design, die noch nicht abgedeckt sind. Aber das wĂ€ren wohl solche fĂŒr eine Version 3.

Editorâs Note: Teil 1 fĂŒhrt in die grundlegende Bedienung des Kleinen Brauhelfers 2 ein.
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