Alles auf Zucker
Invertzucker selbst gemacht â Brausirup Teil 1

Demerara-Zucker, Kandis-Zucker, Muscovado-Zucker. Zucker ist in Bieren, jenseits des Deutschen Reinheitsgebotes, gang und gĂ€be, trĂ€gt er doch einzigartige Aromen ein. Rosine, Pflaumen, Vanille, Zimt â die Geschmackskomponenten sind vielfĂ€ltig.
Brauzucker selber machen ist leichter als gedacht. Es ist kein zeitraubendes âHobby im Hobbyâ. Einfacher Haushaltszucker, ein Zuckerthermometer, Hirschhornsalz oder Hefenahrung und ein Topf, damit lassen sich ohne groĂe Investitionen gute, erst Ergebnisse erzielen. Ăberteuerter amerikanischer Sirup oder belgischer Braukandis aus dem Braushop ist Luxus. Nett zu haben, aber kein Must Have. Die Lösung heiĂt Invertzucker. Und noch besser: Hefe liebt Invertzucker.
Die Herstellung von Invertzucker geschieht ĂŒblicherweise durch das Enzym Invertase bei niedriger Temperatur. Mit SĂ€ure ist es ein Lifehack bei höherer Temperatur. So einfach ist das! Invertzucker fĂŒr Hobbybrauer ist mit einer SĂ€ure aufgeschlossener Einfachzucker. Wenn er zu SĂŒĂigkeiten wie Schokoladengarnache, Karamellbonbons und Toffee hinzugefĂŒgt wird, verhindert er, dass andere Zuckerarten kristallisieren. In Sorbet und Eiscreme eingearbeitet, liefert er eine glatte, cremige Textur. Von Natur aus hygroskopisch, absorbiert er Feuchtigkeit und verlĂ€ngert die Haltbarkeit von Lebensmitteln. Und er macht ein tolles Bier. Malte verwendet alle möglichen Zuckerarten generell fĂŒr seine Briten, aber auch sehr gerne fĂŒr IPAs, um sie besser auszubalancieren, fĂŒr Imperial Stouts, um deren MĂ€chtigkeit schlanker zu machen.
Belgische Zucker setzen ĂŒbrigens statt SĂ€ure auf Lauge. Wir aber beginnen erst einmal mit SĂ€ure und konzentrieren uns auf die Insel.
Wichtig zu unterscheiden (so ganz allgemein):
- Invertzucker/Brewers Invert wird mit SĂ€ure gemacht. Er ist der EnglĂ€nder der Brausirups. Die helle Variante trĂ€gt keine Aromen ein und macht das Bier trockener. Die dunkle Variante trĂ€gt Karamellaromen ein. Mit höherer Temperatur oder lĂ€ngerer Zeit nimmt die FĂ€rbung zu. Eine zusĂ€tzliche Ammoiniumquelle wie Hefenahrung oder Hirschhornsalz verkĂŒrzt die Reaktionszeit. Der Brewerâs Invert genannte Brausirup ist auch geeignet fĂŒr belgische, vornehmlich aber englische und amerikanische Bierstile. â Teil 1
- Kandissirup/Candi Syrup wird mit Lauge und Kalk gemacht. Er ist der Belgier der Brausirups. Ziel ist eine forciercte Maillard-Reaktion durch Temperatur + Zucker + Protein. Ein hoher pH-Wert von 9 â 11 und eine zusĂ€tzliche Ammoiniumquelle wie Diammoniumphosphat (DAP), Hefenahrung oder Hirschhornsalz begĂŒnstigen diese. Der Unterschied ist ein stĂ€rkerer Eigengeschmack mit Röstaromen wie gemahlener Kaffee, dunkles Steinobst und geröstetes Brot. Er ist geeignet fĂŒr dunkle belgische Bierstile wie Dubbel, Quadrupel. â Teil 2
- Molassesirup/Blackstrap wird als Blend aus Invertzucker und Molasse gemacht. Er ist der Kreative der Brausirups. Molasse trĂ€gt einzigartige Aromen wie Lakritz ein. Durch die starke FĂ€rbung wird die Zeit zur Herstellung sowohl von englischem Brewers Invert als auch belgischem Candy Syrup deutlich verkĂŒrzt. Molassesirup ist geeignet fĂŒr viele dunkle Bierstile. â Teil 3
Invertzucker ist chemisch gesehen Honig Ă€hnlich. Normaler Haushaltszucker besteht aus dem Disaccharid Saccharose, Invertzucker besteht aus den Monosacchariden Glucose und Fructose. Diese beiden sind Hefes Liebling; sie mĂŒssen nicht so hart arbeiten muss, um das ZuckermolekĂŒl zu verdauen. Hefen schĂ€tzen eben auch Word-Life-Balance. Die Maillard-Reaktionen, die bei der Herstellung von Zuckersirupen ablaufen, können im Bier Wunderbares bewirken. Die satten Nuancen belgischer Dubbels und dunkler starker Ales haben oft mehr mit tief gefĂ€rbten Zuckern als mit Spezialmalzen zu tun.
Gut zu wissen ist, dass viele Prozesse bei der Sirupherstellung parallel ablaufen. Invertierung, Karamellisierung, Maillard-Reaktion lassen sich kaum trennen. Zuerst hat die Herstellung in England und Belgien sehr viel mit den Traditionen der eigenen Bierkultur zu tun, weniger mit chemischer Rechthaberei. Die war den Braumeistern frĂŒherer Tage völlig schnurz. Zugegeben, letztere macht den kleinen Unterschied aus.
Invertzucker hat im Vergleich zu anderen Zuckersorten einen etwas weicheren, milderen Geschmack. Invertzuckersirup, der aus Rohrzucker hergestellt wird, ist besonders förderlich fĂŒr britische Bierstile. Biere, die mit diesem Zucker hergestellt werden, scheinen trocken und sauber abzuschlieĂen. Und sie entwickeln oft einen subtilen fruchtigen, sirupartigen Abgang, der mit anderen Zutaten nur schwer zu erzielen ist.

Um es klar zu sagen: Braukaramell und Invertsirup sind nicht dasselbe. Mit Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle lassen sich wie bei den kommerziellen Angeboten Invertzucker-Sirupe in einer Reihe von Farben und Geschmacksrichtungen herstellen.
SĂ€ure und Karamellisierung
Ohne SĂ€ure wird nur der Karamellisierungsgrad manipuliert, von klarem WeiĂ bis zum tiefsten schwarzbraunen Karamell. Mit SĂ€ure laufen bei Prozesse parallel ab, wobei die Karamellisierung mit der Temperatur steigt. Allein das Erhitzen von Zuckersirup kann ein so dunkles Karamell ergeben, dass eine Inversion nicht unbedingt notwendig ist.
Die Inversion hat einen entscheidenden Vorteil: Im Gegensatz zu Karamell kristallisiert invertierter Zucker so gut wie nicht. Die Inversion oder SĂ€urehydrolyse ist mit einem sehr geringen Anteil einer SĂ€ure in LebensmittelqualitĂ€t einfach durchzufĂŒhren, und theoretisch gilt: Je weniger zusĂ€tzliche Arbeit Hefen wĂ€hrend der GĂ€rung leisten mĂŒssen, desto gesĂŒnder werden sie sein. GlĂŒckliche Hefe macht besseres Bier.

Beim Inversionsverfahren wird in Wasser gelöster Zucker mit einer kleinen Menge SĂ€ure versetzt. FĂŒr klaren Invertsirup, also des Briten Liebling, nimmt man puren weiĂen Kristallzucker. Einfacher Kristallzucker neigt dazu sich im Bier zu versenden, es wird alkoholischer, der Abgang trockener, das GaumengefĂŒhl frischer. Mithin ist diese Variante erste Wahl wie fĂŒr britische Ales und englische IPAs, wo Karamell, dunkler Rum und Rosineneigenschaften â Vorsicht Exkurs: Belgiers Lieblinge âunerwĂŒnscht sind. Das klare Zeug ist wahrscheinlich auch die Wahl des Konditors und BĂ€ckers. Maltes Wahl ist das auch. IPA und Saisons sind seine Lieblinge mit diesem Zeugs, die dunklen Varianten folgen spĂ€ter.
Je nach Bierstil
Um UnglĂŒcke wie eine ĂŒberschĂ€umende Zuckerlösung zu vermeiden, empfiehlt sich eine Kasserolle mit hohem SchĂŒttrand. In diese legt man einen halben Liter heiĂes, abgekochtes Wasser oder Osmosewasser vor. Nun rĂŒhrt man 1 kg Kristallzucker ein und erwĂ€rmt alles unter RĂŒhren vorsichtig. Die Lösung ist anfangs trĂŒb, klĂ€rt sich aber binnen weniger Minuten. Das ist dann der richtige Zeitpunkt fĂŒr die SĂ€uregabe. 1/4 Teelöffel entsprechend 1 g SĂ€ure wie Weinstein (Kaliumbitartrat), ZitronensĂ€ure oder sogar AscorbinsĂ€ure (Vitamin C).

Viele Brauer, auch Malte, bevorzugen MilchsĂ€ure 80 %. Sie schmeckt weniger durch als etwa ZitronensĂ€ure; 3ml, etwas mehr als ein halber Teelöffel, genĂŒgen vollauf. Die Lösung wird nun bis 114 °C langsam erhitzt. Langsam, um Maillard-Reaktionen zu minimieren, die sonst Farbe und Geschmack im Sirup entwickeln wĂŒrden. Nun noch eine Messerspitze entsprechend 1g Hirschhornsalz aus den Resten der WeihnachtsbĂ€ckerei als Ammoniumquelle dazugeben. Das beschleunigt den Farbumschlag. Genau so gut ist Hefenahrung.
Diese Prozesseschritte haben sich bewÀhrt: Erstens löst sich Zucker im warmen Wasser besser, zweitens schÀumt die SÀure bei spÀterer Zugabe unterhalb der Inversionstemperatur von 114 °C weniger auf. Einmal invertiert, kann dieser helle Sirup monatelang gelagert werden.
Wer einen neutral schmeckenden Sirup mit einer dunkleren Farbe möchte, muss die Zeiten nach folgender Tabelle bei 114 °C einfach verlĂ€ngern; auf speziellen Thermometern steht dafĂŒr der Begriff âsoft ballâ. Bei gleichbleibender Temperatur dunkelt Invertzucker mit abnehmendem Wassergehalt nach:
UngefÀhre Zeitangaben:
- Nr. 0: hellgelb-orange -> höchstens 20 Minuten
- Nr. 1: honigfarben-bernstein -> mindestens 20min, aber nicht viel lÀnger, sonst dunkelt die Farbe stark nach. Zeit ist lediglich dazu da, die Inversion zu vervollstÀndigen.
- Nr. 2: bernsteinfarben-bronze -> insgesamt 90â120 min
- Nr. 3: bronzefarben-rotbraun -> insgesamt 150â210 min
Die Zeiten fĂŒr Nr. 2/Nr. 3 sind ungefĂ€hre Angaben. Es hĂ€ngt viel von Wassergehalt, Herd und sofort ab. Ausprobieren. So ist es eine gute Idee periodische Farbmuster in 10-minĂŒtigen AbstĂ€nden zu entnehmen. Die Proben legt man auf weiĂe Teller und vergleicht sie mit EBC-Diagrammen. Nicht wundern: Beim AbkĂŒhlen wird der Sirup 4â6 EBC dunkler.
Wer mehr Geschmack wagen will, geht in die Temperatur. Dazu folgend mehr.
Mehr Geschmack wagen
Wer etwas mehr Geschmack und Farbe wĂŒnscht, dem stehen mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. Am einfachsten ist es, den Vorgang mit Rohrohrzucker oder ein Mischung daraus zu wiederholen. Von Anfang an lĂ€sst sich hier eine leichte BrĂ€unung des Sirups feststellen; diese dunkelt weiter nach.

Variante 2: LĂ€sst man den Sirup weiter kochen, ohne die Temperatur zu regeln, steigt diese immer schneller an, Wasser verdampft, der Sirup karamellisiert zunehmend, entwickeln Rosinen- oder Pflaumenaromen. NĂ€hert sich der Sirup schlieĂlich dem âHard-Crackâ-Bereich bei 149â154 ° C an, erreicht er einen tiefen, dunkelroten, kolabraunen Farbton. Rosine, Toffee und Co. intensivieren sich.
Zuckerkonzentration je Temperatur:
- Thread: 106 °C bis 112 °C | Zuckerkonzentration 80 %, Invertierung setzt ein, Brewerâs Invert Nr. 0
- Soft Ball: 112 °C bis 116 °C | Zuckerkonzentration 85 %, hell Farbe, Brewerâs Invert Nr.0 bis Nr.1
- Hard Ball: 121 °C bis 130 °C | Zuckerkonzentration 92 %, Brewerâs Invert Nr. 1
- Soft Crack: 132 °C bis 143 °C | Zuckerkonzentration 95 %, Brewerâs Invert Nr. 1 bis Nr. 2
- Hard Crack: 149 °C bis 154 °C | Zuckerkonzentration 99 %, Brewerâs Invert Nr. 2 bis Nr. 3
â Bei Herstellung in gröĂeren Höhen ist alle angefangene 300 Meter je 1 °C abzuziehen.
â Brewers Invert Nr. 2 und Nr. 3 sollte vor dem AbfĂŒllen etwas verdĂŒnnt werden.
Kritischer Moment
Der Hard Crack ist ein kritischer Punkt, denn der Sirup wird bei nur einem Grad mehr verbrennen. Bevor man dort ankommt, sollte das Temperaturniveau bei 149 ° C gehalten werden. Entsprechende Zuckerthermometer wie im Bild oben haben dafĂŒr Markierungen. Es kann sogar ein Hauch von verbranntem Zucker in Richtung des oberen Bereichs auftreten. Dies ist das Ă€uĂerste Ende der Farbskala fĂŒr den Sirup mit gegebenen Mitteln. (Brewerâs Invert No. 4, eine noch dunklere, dritte Variante, wird ein eigenes Thema sein.)
Britische Brauereien sortierten ihre Invertsirupe traditionell in drei Nuancen. Dies hindert aber niemand daran, alle weiter erdenklichen Variationen herzustellen. Allen diesen Sirupen gemein ist: Jeder wird einzigartige und interessante Geschmacksrichtungen und Aromen zum Bierrezept beitragen, so dass es sich lohnt mit verschiedenen Kombinationen im Bier zu experimentieren.
Best Practice:
- Bei einer Temperatur von 127 °C bis 135 °C lÀsst sich die Farbgebung am besten steuern.
- Die Farbe Àndert sich allmÀhlich von klar zu hell bernsteinfarben zu tiefrot.
- FĂŒr Brewerâs Invert Temperatur langsam erhöhen, schnell forciert die Karamellisierung
- FĂŒr die Farbe Gelb-Amber (Brewerâs Invert Nr. 1) empfiehlt sich der Bereich zwischen Hard Ball und Soft Crack: 15 Minuten halten
- FĂŒr die Farbe Tiefrot-Braun (Brewers Invert Nr. 2 bis Nr. 3) empfiehlt sich der Bereich zwischen Hard Ball und Soft Crack: dies kann mehrere Stunden dauern.
- Wenn der Sirup die gewĂŒnschte Farbe hat, Temperatur bis zum Hard Crack auf 150 °C erhöhen und sofort vom Herd nehmen.
Vorsicht: Verpuffungsgefahr
Wenn die gewĂŒnschte Farbe erreicht ist, schaltet man den Herd aus und lĂ€sst den Sirup bei Zimmertemperatur ohne weitere Aktionen abkĂŒhlen. Je nachdem was man gerade fabriziert hat, ist es entweder ein schwerer Sirup geworden oder ein zĂ€hes, Toffee-Ă€hhnliches Bonbon, das Gefahr lĂ€uft steinhart zu werden. Bevor steinharte Bonbons den Brauer am Brautag zur Verzweiflung bringen, kann man vor dem Erkalten den Sirup wieder mit etwas Wasser verdĂŒnnen. Auf keinen Fall darf man das aber unmittelbar nach dem Abschalten des Herdes machen â es besteht zu diesem Zeitpunkt höchste Verpuffungsgefahr: das Wasser explodiert und verdampft sofort. Ăble Verbrennungen sind die Folge. Wer verdĂŒnnen möchte, wartet ab, bis der der Sirup auf unter 100 °C abgekĂŒhlt ist und verdĂŒnnt erst dann!
Ein derart verdĂŒnnter Brausirup hat gerade mal einen Wasseranteil von 25 %. Brausirup wird wie Brauzucker nicht per Volumenprozent sondern nach Gewichtsprozent berechnet, das ist wichtig fĂŒr die StammwĂŒrze. NĂ€herungsweise lĂ€sst sich der Zuckeranteil im Sirup mit dem Anfangs- und Endgewicht berechnen â es verdampft nur Wasser. Wer es ganz genau haben will, berĂŒcksichtigt noch die Gewichtszunahme des um ein WassermolekĂŒhl schwereren Invertzuckers, wie es manch Chemiker unter den Hobbybrauern empfiehlt.

Danke fĂŒr den tollen Bericht. Genau so eine Anleitung und ErklĂ€rung habe ich schon verzweifelt gesucht. Ich bin schon ganz heiĂ darauf meinen ersten richtigen Brewerâs Invert sowie Brausugar herzustellen.
VG Christian Becker
Es ist vollbracht! Ich habe mittels der tollen Anleitung einen 1a Brau Sirup hergestellt! Er duftet wunderbar und schmeckt fantastisch nach Brotkruste, Karamell etc. Ich bin hochzufrieden mit dem Ergebnis. Es ist auch gar nicht so schwer gewesen wie ich zuerst geglaubt hatte. ???
Das freut mich. In einem anderen Kommentar hast Du erwĂ€hnt, dass Du keinen Brewerâs Invert, sondern einen Belgian Sirup machen willst. Die Infos dazu stehen hier. Es gibt da geschmackliche Unterschiede. So geht einem Brewerâs Invert das Maillard-Aroma ab, das kann willkommen sein, wenn man das Bier schlanker, ohne zusĂ€tzliche Aromen machen will. Den typischen Belgier-Geschmack auf Anhieb zu treffen, verbunden mit der richtigen Konsistenz (ĂŒber Probleme hĂ€ttest Du sonst berichtet), ist nicht ohne. Kompliment und viel SpaĂ beim Einsatz in einem Belgier.
Herzlichen Dank fĂŒr diese tolle Site! Informativ, spannend und gut gemacht!
Was ergibt eine Pflaumennote? Ist es die Verwendung von Rohrohrzucker, oder ist es der Weg ĂŒber SIrup weiter kochen (Variante 2)? Und wĂŒrde ich bei Variante 2 puren weissen Kristallzucker nehmen? Und wie lange mĂŒsste ich die Temperatur bei 149Grad halten?
Danke fĂŒr das Lob!
Pflaumen- und Rosinennoten finden sich sowohl in Brewerâs Invert als auch Belgian Candy Syrup. Es ist wohl eine Kombination aus der Maillard-Reaktion bei etwa 140 °C â bei der AminosĂ€uren mit reduzierenden Zuckern reagieren â und Mineralien wie Eisen, Magnesium, Calcium und Phosphor, die sich besonders in unraffiniertem Zucker befinden. Dies ist auch der Grund, warum unraffinierte Zucker wie Demerara oder Muscovado mehr Eigengeschmack eintragen. Gleiches gilt fĂŒr echten, unraffineirten RĂŒbenzucker, der in Deutschland vornehmlich als TierfutterergĂ€nzung bei der KĂ€lberaufzucht findet. Beide Rohzucker â der aus Zuckerrohr wie der aus ZuckerrĂŒben â verfĂŒgen ĂŒber einen höheren Melasseanteil von 2â3%, der zusĂ€tzliche Noten eintrĂ€gt.
Eine Mischung aus 2/3 Haushaltzucker und 1/3 Rohrohrzucker sollte ein merkliches Pflaumenaroma produzieren. NatĂŒrlich geht auch 100% Rohrohrzucker â ich finde aber, dass dies nicht nötig ist.
Bei der belgischen Variante wird die Phosphorquelle kĂŒnstlich hinzugefĂŒgt. Das kann Ammoniumdiphosphat sein, das Winzern als Hefenahrung dient, aber auch einfach Hefenahrung wie Nutrient aus dem Braushop, das noch zusĂ€tzliche Minerale besitzt. Die basische Reaktion beim belgischen Brausirup verstĂ€rkt das Aroma merklich, da hier mehr AminosĂ€uren freigesetzt werden. Beim Erhitzen folgt der Geruch von Pflaume und Rosinen unmittelbar nach dem zuerst unangenehmen Ammoniakgeruch. Negativ ist beim belgischen Brausirup, dass er dazu neigt auszukristallisieren und schwer die gewĂŒnschte Farbe bekommt. Diese Nachteile lassen sich aber ausgleichen:
1. Die Kristallisation kann durch die Gabe von Glukose abgemildert werden. Glukose kann man selber herstellen, indem man aus Traubenzucker und destilliertem Wasser eine Lösung vorher aufkocht
2. Die Farbe steuert man beim belgischen Brausirup ĂŒber Anteile an Rohrohrzucker in der Zuckermischung; Melasse oder sogenannter Black Strap gibt einen zusĂ€tzlichen Lakritzgeschmack.
Brewerâs Invert No.3 ist meiner Meinung nach die beste Lösung nach Aufwand und Ergebnis, um Pflaumenaromen ins Bier einzutragen. Man sollte dabei aber nicht zu sparsam sein. 10% und mehr Anteil an der GesamtschĂŒttung darf es schon sein.
Zu den Malzen: Mit dunklen Röstmalzen sollte man bei der SchĂŒttung dabei vorsichtig sein. Deren starke Aromen von Kaffee, Brot bis brenzlig ĂŒberdecken schnell das zarte Rosinenaroma. Neben Special B haben noch dunkle Kristallmalze wie Crystal 90L und 120L Pflaumen- und Rosinenaromen. Man kann diese Geschichte also an einigen Ecken auf die Spitze treiben.
Geht es Dir ums Aroma, rieche beim Zuckerkochen permanent. Wenn der Geruch schwĂ€cher wird, abschalten und abfĂŒllen. Eine genaue Zeitangabe kann man wegen verschiedener Faktoren nicht machen. Ausprobieren â hier ist Erfahrung Trumpf.
Danke fĂŒr diese genaue Antwort! Ich freue mich sehr, das auszuprobieren. Sehr gerne lasse ich dir meine Erkenntnisse zukommen.
Vielen lieben Dank! Und nochmals, danke fĂŒr diese Site.
Bin gerade dabei, den nĂ€chsten Sud konkret zu planen. Da kommt noch eine Frage auf, auf die ich gerade nichts befriedigendes auf dem weiten weiten Netz finde. Der Brewers Invert wird ja mitvergoren, gibt es hier eine Formel, anhand welcher ich berechnen kann, wie hoch die StammwĂŒrze nach der Zugabe des Invert ist?
Die gibt es. Die wird aber nur einem Mathematiker etwas sagen. Zu finden ist diese in der Formelsammlung des Kleinen Brauhelfers v2 auf hobbybrauer.de. Du kannst Dir die Rechnerei aber auch ersparen, indem Du den Kleinen Brauhelfer heranziehst.
Wenn Du einen Brausirup machst, rechne mit einem VergĂ€rungsgrad von 70â75%. Ich habe es bei mir genau ausgewogen und berechne Brewerâs Invert No.3 mit 74%. Mit diesen Werten kannst Du auch manuell den Anteil StammwĂŒrze des Zuckers ausgehend von Deiner SchĂŒttung berechnen.
Je dunkler der Sirup, desto zĂ€hflĂŒssiger wird er â es sei denn, man verdĂŒnnt exakt auf den zuvor bestimmten Wert. Das geht mit 1l-Milchflaschen sehr einfach.
Da ich Belgian Sirup wegen der Kristallisation etwas starker verdĂŒnne, rechne ich dort mit 60%.
Abgekochtes Wasser, besser destilliertes, mindert unnötige Kristallisation.
Heute zum ersten Mal mit dem Invert experimentiert. Resultat sind 2 Flaschen a je ca. 1300g Invertsirup. Vorgehen und Zutaten in beiden FÀllen gleich: 5dl destilliertes Wasser erhitzen, 500g Kristallzucker und 500g Rohrohrzucker zugeben, und sobald die Zuckermischung aufgelöst ist, 3ml MilchsÀure zugeben.
Ab dann unterschiedlich: den ersten Invert langsam und bis 149Grad erhitzt, danach vom Herd genommen. Der zweite Invert wurde wesentlich schneller bis maximal 140Grad erhitzt. in beiden FĂ€llen wurde mit 3dl Wasser verdĂŒnnt, sobald der Invert unter 100Grad gesunken ist.
Resultat: der erste Invert sehr dunkel, eindeutiges Karamellaroma, wÀhrend der zweite Invert viel heller wurde (EBC wÀren es wohl gegen 25), und ein eindeutiges Dörrfruchtaroma hat, praktisch kein Karamell. Das scheint deine These mit der Reaktion bei 140Grad zu untermauern.
Freue mich sehr, dann den zweiten Invert zu verbrauen, da ich ja auf Pflaume und Rosinen aus bin.
Ich danke dir!
Hallo Stubby Hobbs,
da ich mich gern mal an belgische Biere wagen möchte, bin ich froh, deinen Blog gefunden zu haben. Sehr informativ, danke.
Ich verstehe jedoch den letzten Punkt unter Best Practice nicht: âWenn der Sirup die gewĂŒnschte Farbe hat, Temperatur bis zum Hard Crack auf 150°C erhöhen und sofort vom Herd nehmen.â
Wenn ich mir bspw. einen Brewers Invert 0 bei 110°C koche, soll ich dann am Ende auf 150°C hochgehen, bevor ich ihn vom Herd nehme? Oder gilt das nur fĂŒr Brewers Invert 3??
GrĂŒĂe
Ralf
Hallo Ralf, sorry, da ist etwas im Review hÀngen geblieben.
Einfach gesagt, gilt das fĂŒr Brewerâs Invert N°.3. GrundsĂ€tzlich gibt es zwei Verfahren die gewĂŒnschte Farbe zu erreichen: Temperatur und Zeit.
Bei nÀherer Betrachtung ist es nur die Temperatur. Warum? Mit der Zeit verdampft Wasser und die Temperatur der Zuckermasse erhöht sich. Wasser wirkt offenkundig anfangs als Temperaturpuffer, der mit seiner Verdampfung abgesenkt wird. Das ist auch der Grund, warum man immer am Herd sein sollte.
Hi,
Hab die Anleitung genutzt und megaleckeren Karamell-Sirup hergestellt. nach dem AbkĂŒhlen hatte ich zwar erstmal ein Karamellbonbon, aber mit etwas Wasser und nochmal kurz erwĂ€rmen wurde es dann zum Sirup :)
Vielen Dank fĂŒr die sehr ausfĂŒhrliche Anleitung. Als nĂ€chstes versuche ich mich an die Anleitung fĂŒr den belgischen Kandissirup.
Liebe GrĂŒĂe
Kabesuppe
Gerne, freut mich sehr!